Karsten Meyer

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100 Jahre Karle Steuer

Zum hundertjährigen Geburtstag des unvergessenen Konstanzer Fastnachts-Originals Karle Steuer veranstaltete der "Freundeskreis Karle-Steuer-Brunnen" ein kleines Fest, selbstverständlich am Brunnen.

Und weil der Andreas Greis so nett war, mir das Manuskript seiner Rede(n) zu überlassen, drucke ich diese gerne hier ab:

Zum 100. Geburtstag von Karl Steuer - Rede zum Geburtstag am 12.05.2009

Die Brunne-Schdori - Rede zur Einweihung des Karl-Steuer-Brunens am 05.09.1998

www.Meyer-Konstanz.de →  Fotografie →  Veranstaltungen →  100 Jahre Karle Steuer

Alle Rechte bei Karsten Meyer. Interesse an einem Bild? Meine Preise sind fair - siehe Preisliste.

Zum 100. Geburtstag vom Steuer Karle - geb. am 12. Mai 1909

Liebe Konstanzer, liebe Narren,
Klaus Steuer mit Familie, Franz Halder, Frau Angelika Braumeister vom Kulturamt der Stadt Konstanz, und der Freundeskreis Karl Steuer Brunnen


Wir sind heute hier, um an einen großen Konstanzer zu denken. Heute wäre de Karle Steuer 100 Jahre alt geworden. Er war ein echter Volkskomiker und Volkspoet, und aus der Konstanzer Geschichte und der Fasnacht ist er nicht mehr weg zu denken.

Mit seinen Markenzeichen wie der Melone oder seine Baskenmütze war er nach dem Krieg in unserer Gegend unterwegs. Er hat den Leuten in den mageren Jahren mit seinem Witz gezeigt, dass sie das Lachen nicht vergessen dürfen. Er war für viele Seelendröster, Dichter, Sänger und Humorist. Wo er mit seinen Kollegen zusammen aufgetreten ist, konnten die Zuhörer für ein paar Stunden alles um sich herum vergessen.

Und dann kamen da noch in den 50er und 60er Jahren die großartigen Fasnachtskonzerte mit Elefanten, den Niederbürglern, und 1967 mit den Laugelegumpern mit einem Rückblick über "40 Jahre Konstanzereien"! Überall wo er auftauchte war der närrische Witz und Humor im Vordergrund.

Zu erwähnen sei auch seine enge Freundschaft zu dem Kölner Volkssauspieler und Humoristen Willy Milowisch. Bei dem konnte er es sich sogar erlauben, mitten in eine Theateraufführung hinein zu platzen, und mit zu spielen als gehöre er dazu. Im Publikum hat kaum einer gemerkt was da läuft.

De Steuer Karle ist nicht irgend ein Original, sondern er ist das Konstanzer Original.

Er wurde oft kopiert, aber nie erreicht!

Um Ihn zu ehren, und um Ihm ein Denkmal in Form eines Brunnens zu setzten. Hat sich 1996 Franz Halder sehr engagiert. Er hat nicht locker gelassen, bis er die "Richtigen" gefunden hatte, welche diese Idee umsetzten.

So entstand der Freundeskreis Karl-Steuer-Brunnen, welcher den Brunnen organisierte.

Jetzt fehlt nur noch eines:
Eine Eingabe an die Stadt Konstanz, dass der Platz endlich in Karl- Steuer- Platz umbenannt wird.

"Also für uns ischs des soch lang so".

Karle!
Zum Wohl, Prost und Dankschön,

Andreas Greis,
Freundeskreis Karl- Steuer- Brunnen

Zur Brunneneinweihung am 5. September 1998 / 14,30 Uhr

Die Grund-Idee zu einem Denkmal für unseren Karl Steuer hatte Franz Halder, der wiederum fing gleich an Spenden für den Lampeman zu sammeln, was Ihm auch gut gelang. Unter anderem suchte er nach Unterstützung, die er auch bei Christoph Heiß, Heinz Hug und Klaus Klaus Keller-Uhl fand. Diese wiederum traten mit der Bitte um Unterstützung an die Laugelegumperzunft Konstanz heran, wobei ich als Obergumper im Sinne des Narrenvereins unsere Unterstützung zusagte. Am 16. November 1996 fand die erste Zusammenkunft im Elefanten statt. Zum Freundeskreis gehören Franz Halder, Christoph Heiß, Klaus Keller-Uhl, Heinz Hug, Alfred Riedle, Klaus Messmer, Hans Georg Biehler, Erich Hofmann, Klaus Steuer, Roland Gleichauf, Paul Bischoff und Andreas Greis. Als Sprecher / Vorsitzender wurde Christoph heiß gewählt. Den organisatorischen Teil übernahm Andreas Greis. Als erster Beschluß wurde festgelegt, daß es kein weiterer Lenk sein sollte, sondern etwas mit mehr Format und Stil. Es stellte sich bald heraus, daß es ein Brunnen in der Art derer vom Münchner Viktualienmarkt sein soll. Einen Brunnenplatz hatten wir auch schon im Auge, nämlich diesen hier - für uns isch des de Karl-Steuer-Platz. Er ist Zentral vom Wirken des Karl Steuer gesehen - de Wohnung in de Kanzleistross - Fasnacht im Konzil - i de obere Sonne - St. Johann - Capitol - dem Stephanskeller und dem Beko Keller. Als ich an dem selben Abend ein Mitglied unserer Zunft besuchte, erzählte ich Ihr von dem eben gegründeten Freundeskreis Karl Steuer und dem Vorhaben ihm in Form eines Brunnens ein Denkmal zusetzen. Unsere Uhu - so heißt sie nämlich mit Spitznamen - drehte sich um, griff rasch ins Bücherregal und zog geschwind eine Biographie von ihrem Freund und Bildhauer Kurt Grabert heraus. Beim Sichten des umfangreichen Bildmaterials wurde uns gleich bewußt, daß er der richtige Mann für diese Arbeit ist.

Und genau diesen gewissen Kurt Grabert möchte ich euch noch ein bißchen näher bringen:

Kurt Grabert, 1922 in Stuttgart geboren, legte immer mehr Wert auf das Urteil der Gießer und der Ziseleure als auf die wortgewaltige Kunstkritik. Dem in Göppingen lebenden Bildhauer, Zeichner und Maler gilt das handwerkliche Können auch in unserer Zeit noch mehr als die oft narzistischen Formen der Selbstdarstellung mancher Kollegen, die wie er sagt, "nicht einmal ein Modellgerüst bauen können". Mit dieser Art von Kunstbetrieb hat er nichts am Hut und distanziert er sich. Er geht seinen eigenen Weg. Für kreative Aufgaben die beste Lösung finden - so bescheiden und groß zugleich formuliert er seine Anspruch an sich selbst. Und dazu benutzt der inzwischen etwas ältere Herr mit seinen weißgrauen Schläfen seinen Kopf, seine Hände und sein Herz. Er kennt den Schaffensrausch ebenso wie das zähe Ringen um die gültige Form, den treffenden Ausdruck der von ihm dargestellten Personen.

Zeichnen und malen konnte Kurt Grabert schon als Kind. Eine erste künstlerische Ausbildung erhielt er an der Höheren Fachschule für graphisches Gewerbe in Stuttgart. Nach dem Krieg und der amerikanischen Gefangenschaft besuchte er die Bildhauerklasse der Stuttgarter Akademie. Seit 1950 ist Herr Grabert als freier Künstler tätig, und beteiligte sich an Wettbewerben wie z.B. Kunst am Bau.

Er lebte zunächst in Hödingen bei Überlingen, wo er unseren Karl Steuer noch zu Lebzeiten kannte (was uns natürlich in der Wahl des Künstlers bestätigte). Anschließend zog es ihn wieder in seine schwäbische Heimat nach Welzheim und seit 1975 nach Göppingen. Seinen Lebensunterhalt für die inzwischen vierköpfige Familie bestritt er als Graphikdesigner für die Wirtschaft und als Layouter in der Publizistik.

Einige Jahre schuf er große Bildwände aus Keramik, vom Entwurf bis hin zur letztgebrannten Kachel. So entstanden zahlreiche Werke, die heute noch Schwimmhallen in Berlin, Frankfurt, München, Köln, ebenso in der Schweiz, Frankreich und in den USA schmücken.

Im Laufe seines Lebens als freischaffender Künstler hat er sich mit Leidenschaft den verschiedenen Aufgaben gestellt, an denen sich immer wieder neue Facetten seiner Kreativität entfalten konnten. Bewußt hat er seiner Phantasie keine Fesseln angelegen lassen.

Seine Hinwendung zur Rundplastik und zur Bronze kam nicht von ungefähr erst im reiferen Lebensabschnitt. "Bildhauer wird man nicht unter vierzig Jahren" sagt Grabert. Erst auf der Basis eines vollentwickelten künstlerischen Könnens lassen sich neben privaten Meisterstücken auch große Werke verwirklichen. Als Lebenswerk Kurt Graberts sieht er das im Frühjahr eingeweihte zweiflüglige Portal der Stadtkirche von Göppingen.

Ihm ist es bei seinen Aufträgen immer wichtig, das architektonische Umfeld, das Brauchtum und die Mentalität zu kennen. Es ist ihm ebenfalls sehr wichtig, daß die Bürger ihn verstehen und seine Bronzen und Brunnen eingemeinden in Ihren kulturellen Alltag.

Auch der Vergänglichkeit des Daseins ist sich Kurt Grabert stets schmerzlich bewußt. Wenn seine Kunst als kleiner Trost für diese Erkenntnis wirken kann, dann sieht dieser Menschenfreund seinen Auftrag erfüllt.

Konstanz, 24.08.98

Andreas Greis,
Freundeskreis Karl- Steuer- Brunnen